Das Kreuz des Südens

16. September 2016

Die Wellen im westlichen englischen Kanal sind schon deutlich länger als noch in der Ostsee. Unsere Yacht steckt das Vorschiff in jeder dritten, vierten Welle voll ins Wasser. Unsere Katja nimmt die See ‚auf Lunge‘. Das Resultat sehen wir dann unten in der Kabine, im Vorschiff: Seewasser läuft an der Vorderwand herunter. Matratzen, Bettdecke, Schlafsack, T-Shirts, Hemden, Hosen, Bücher – alles klitschnass.

Wir leuchten die Quellen mit der Taschenlampe aus. Mehrere Rinnsale tröpfeln am Furnier hinunter. Das „Kreuz des Südens“ (1) trieft vor Nässe. Die Befestigung der Ankerwinde an der Kabinendecke glänzt im Seewasser.

Enttäuscht stehen wir in der Kabine. Draußen tobt der Wind, wir segeln mutterseelenallein durch den Kanal, und im Schiff steht das Wasser. Ich rolle das Bettzeug zusammen, packe die anderen persönlichen Dinge in einen Plastesack, und werfe alles in den Salon mittschiffs. Fürs erste sind wir fertig.

So kommen wir nicht weit. Die Leckagen müssen dringend repariert werden. Und wir fragen uns: Wozu stand die Yacht im Juli eigentlich zwei Wochen in der Werft in Kiel? Warum haben wir dem Schiffsbaumeister dort genau diese Probleme beschrieben? Und ihn eindringlich beauftragt, sich des einkommenden Wassers anzunehmen? Das „Kreuz des Südens“ sorgfältig abzudichten? Keine der Aufgaben wurde gelöst. Und mit der neuen Ankerwinde haben wir noch ein weiteres Wasser-Problem. Wird so eine wichtige Arbeit nicht einfach mal getestet? Die Werft kannte unsere Atlantik-Pläne! Das ist schon fast kriminell: Untergegangene Segler können nicht mehr reklamieren, und auf Gewährleistung bestehen.

Klar, von zwei, drei Eimer Wasser geht kein Schiff unter. Aber es spannt die Psyche an einer völlig unnötigen Stelle. Eine nasse Kabine, kein Schlaf, keine Erholung… Und dann reichen Kleinigkeiten, um die einfachsten Fahrten an den Rand einer Katastrophe zu führen.

(1) Fußnote: Das Kreuz des Südens ist ein Edelstahlbeschlag. Ein Bandstahl (5 Zentimeter breit) führt von der Kabinendecke etwa 1 Meter nach unten, in der Mitte gekreuzt von einem zweiten Bandstahl, ca 75 breit. Die Stahlbänder sind mit der Kabinenvorwand und der Ankerkastenrückseite verschraubt. Und da wir nach Süden fahren, nennen wird diese Konstruktion das „Kreuz des Südens“.
Über Deck wird daran ein Kutter-Stag befestigt. Ein zweites Vorsegel kann dort gefahren werden, mit etwas geringerer Segelfläche als die große Genua. Das erlaubt uns eine viel höhere Flexibilität bei der Wahl eines angemessenen Vorsegels. Für eine 36-Fuß-Yacht ist das schon etwas Besonderes.

Der Nullmeridian

14. September 2016, 08:13 Uhr
50° 03‘ 45.641“ N 000° 00‘ 17.002“ W

Wir passieren den Nullmeridian. Bis hierher war unsere Position immer ‚östliche Länge‘, ab jetzt also westlich. Und schon in der nächsten Stunde schlägt das Wetter um. Aus einer nervenden Flaute werden zunehmend heftige, von Westen kommende Gegenwinde. Die Wellenhöhe steigt zügig von einem halben auf zwei bis drei Meter. Vorsorglich rollen wir die große Genua (=Vorsegel) ein, und holen die kleinere Fock hoch.

Wir brettern mit fast 9 Knoten im Stundenmittel durch den westlichen Englischen Kanal. Der Windmesser zeigt mehr als 20 und sprunghaft über 30 Knoten, 6 bis 7 Beaufort, später fast 40 Knoten. Am Großsegel ist das 2. Reff eingebunden. Mit der kleineren Segelfläche steht die Catalina zuverlässig im Gegenwind. Richtet sich immer wieder auf, wenn sie von einer Welle auf die Seite gedrückt wird.

Gegen den Wind im westlichen englischen Kanal
Gegen den Wind im westlichen englischen Kanal


Die ganze Nacht geht diese wilde Fahrt, gegen den Wind, und gegen die Wellen. Das Mondlicht beleuchtet die Szene, unser Boot, die Segel. Abwechselnd hocken wir für etwa eine Stunde im Cockpit, in Gummihosen und Gummijacke, und der Autopilot steuert souverän geradeaus. So genau und – vor allem – so ausdauernd könnte niemand steuern.

Calais – Verkehr im Ärmelkanal

13. September 2016, 08:10 Uhr

50° 57‘ 43.899“ N 001° 50‘ 53.388“ E

Wir verlassen Calais und passieren die engste Stelle im berüchtigten Ärmelkanal.

Der Ärmelkanal zwischen Calais (Fr) und Dover(GB)<br> Verkehrstrennungsgebiete (TSS) und unser Kurs (blaue Linie).<br> Wie auf dem Mittelstreifen einer vierspurigen Autobahn
Calais – Dover

Verkehrstrennungsgebiete (TSS) und unser Kurs (blaue Linie).

Wie auf dem Mittelstreifen einer vierspurigen Autobahn



Seitlicher Strom, kaum Wind, wir dieseln wieder einmal. Von Berufsschiffs-Verkehr ist noch nicht viel zu sehen. Wir halten uns von den Dickschiffen fern, die ihre Bahnen in getrennten Verkehrsgebieten (Traffic Separation Scheme, TSS) ziehen. Die Karte verweist allgemein auf Wracks, Windfarmen, Kabel und Rohrleitungen, und Wassertiefen von 30 bis 150 Metern.

Westlicher Kurs. TSS hat man (eigentlich) im rechten Winkel und auf kürzestem Wege zu kreuzen. Keiner will Unfälle oder lästige Ausweichmanöver provozieren. Von den Kommando-Brücken der mitunter hunderte Meter langen und bis zu 30, 40 Meter hohen Containerschiffe sind wir sowieso nicht zu sehen. Und wer garantiert schon, dass dort auf der Brücke jemand steht, der unser Radarecho richtig interpretiert? Aber wie gesagt: wenig Verkehr. Wir schleichen zwischen den beiden Verkehrsrichtungen fast wie auf dem Mittelstreifen einer 4spurigen Autobahn entlang. Oder mit dem Bobby-Car über den Fernfahrer-Parkplatz.

Nord-Ostsee-Kanal (NOK)
Kiel – Rendsburg – Brunsbüttel

Dickschiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal
Dickschiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal
4. und 5. September 2016

Wir dieseln mit 3 bis 4 Knoten durch den etwa 100 bis 200 Meter breiten Kanal. Zwischen den Bäumen am Rande oder an den Fähr-Anlegestellen stehen immer wieder Wohnmobile. Mal fünf, auch zehn, mal über zwanzig. Schön gerade nebeneinander, die Nase immer Richtung Kanal. Gemütlich sitzen die Camper daneben auf ihren Klappstühlen, und beobachten die vorüberfahrenden Schiffe.
Kein Wind. Nur wenn uns eines dieser Dickschiffe überholt, gibt es Wellen. Zeit für kleinere Aufräumaktionen. T-Shirts, Socken, Pullover und Hosen sind im Vorschiff verstaut.

km 62 des Nord-Ostsee-Kanals Ein graues, unscheinbares und sehr schlankes Segelboot kommt uns entgegen. Ich stehe auf der Backskiste. Der Werkzeugeimer ist schon geordnet, jetzt ist das Angelzeug dran. Mehr nebenbei schaue ich immer wieder in die Richtung des Entgegenkommers. Es ist genügend Abstand.

Als die Yacht querab kommt, lese ich den Namen, in übergroßen Buchstaben auf der Seite stehend: Kathena Nui. Kathena Nui? DIE? KATHENA? NUI? Mit dieser Yacht ist Winfried Erdmann, im Jahr 2000 als erster und bisher einziger Deutscher 343 Tage lang allein, nonstop und ohne fremde Hilfe um die Welt gesegelt. Ganz allein. In Ost-West-Richtung, also immer gegen die vorherrschenden Winde. Eine echte Segler-Legende! Und steht am Heck seine Frau Astrid? Ich winke ganz aufgeregt hinüber und rufe laut „Kathena ahoi!“ Die Frau am Heck winkt zurück, und lächelt.

Wir stehen erst ganz am Anfang unserer Reise, und deuten diese wundersame Begegnung als gutes Zeichen.

Zeit auch unseren Schiffsnamen anzubringen, vorerst auf Pappe, mit Klebestreifen.

Unser Schiffsname 'Katja - noch auf Pappe - wird mit Klebeband befestigt
Unser Schiffsname ‚Katja – noch auf Pappe – wird mit Klebeband befestigt

Häufig gestellte Fragen

Wie heißt Eure Yacht?
Katja. Der Name ist abgeleitet vom Yachthersteller Catalina. Das ist die Werft in Kalifornien (USA), auf der die Yacht als Nummer 470 gebaut und 1986 zu Wasser gelassen wurde.

Wie lang ist die Segelyacht?
36 Fuß. Das entspricht 11,06 Meter. Die Breite beträgt 3,63 Meter, der Tiefgang liegt bei etwa 1,60 Metern.

Wie kommt Ihr zum Inselman 2017 zurück? (Frage Karoline, Yvonne, Jörg Stingl)
Entweder mit dem Flugzeug, oder mit der Katja zurück über den Atlantik. Der Inselman ist fest eingeplant, versprochen!

Wie lange braucht Ihr?
Die Reise über den Atlantik ist ungefähr 2.600 Seemeilen (sm) lang. Bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 5 sm/ h (=5 Knoten) dauert es also etwa 22 Tage. Oder etwas mehr als 3 Wochen. Genauer kann man das vorher nicht sagen. Wir werden Proviant für mindestens fünf Wochen einplanen, Trinkwasser für mindestens acht Wochen.

Wie sieht die Yacht aus?
Hier ist die Originalzeichnung zu sehen, eigene Fotos kommen später von uns dazu.

Wann geht es los?
Wir wollen noch im August starten.

Welches ist der erste Hafen? Welche Route nehmt Ihr?
Wir starten in Kiel, und werden entweder über Dänemark nach Norden oder durch den Nord-Ostsee-Kanal starten. Der erste Hafen steht also noch nicht fest, und hängt auch vom Wetter ab.
Als weitere Eckpunkte sind geplant: Nordsee, Ärmelkanal, französische Nordküste, Cherbourg, dann südlich die französische Westküste runter bis Spanien und Portugal. Von dort wollen wir weiter nach Süden segeln, bis wir schließlich Ende Oktober, Anfang November die kanarischen Inseln erreichen wollen.
Der Start über den Atlantik beginnt am Rande der Atlantic Rallye for Cruisers (ARC) etwa Mitte November. Wir werden also im Pulk mit etwa … anderen Yachten über den Atlantik aufbrechen.

Werdet Ihr während der Reise Kontakte zur Heimat halten? Und wie erfährt man etwas von Eurer Reise?
Solange wir in Küstennähe sind und auch mal einen Hafen anlaufen, sind Verbindungen über Telefon und e-Mail möglich. Man hat ja heutzutage fast überall einen kostenlosen Internetzugang (außer in Deutschland 😉 Eure Nachrichten kommen jedenfalls nicht weg.
Auf dieser Seite wollen wir auch den einen oder anderen Bericht veröffentlichen.

Was kostet so ein Außenbordmotor?
An dieser Stelle zuerst einmal ein ganz ganz liebes Dankeschön für all Eure wirklich großzügigen Beiträge, über die wir uns außerordentlich gefreut haben. Den Motor benötigen wir für unser Beiboot (Dinghi), mit dem wir dann vom Ankerplatz in den Hafen reinfahren können, um zum Beispiel Proviant zu bunkern. Der Motor sollte zwischen 6 bis 8 PS haben, und im Idealfall (wegen des geringeren Gewichts) ein 2Takter sein. Man muss mindestens ca. 800 bis 1.000 Euro einplanen.

a) Habt Ihr eine Pilatesmatte an Bord?
b) Wie oft geht Ihr segeln?
c) Was ist die maximale Anzahl der Gäste an Bord?
d) Wer betreibt das Outdoorcafé am ‚Grünen Graben‘? (Sybille und Frank)

a) Die Matte ist an Bord. Von Yoga-Kerstin haben wir einen persönlichen USB-Stick mit Übungen erhalten, allerdings sind das eher Yoga-Übungen. Wir sehnen uns also jetzt schon auf die nächsten Pilates-Übungen mit Euch in der Sporthalle der SG Adelsberg.
b) Wir sind in den vergangenen acht Jahren im Sommer im Mittelmeer zwischen dem italienischen Festland und Elba und Korsika gesegelt. Eben soviel, wie es der Urlaub zugelassen hat.
c) Platz ist in der kleinsten Hütte, sagt der Volksmund. Normalerweise verfügt die Catalina 36 über vier Kojen – zwei im Bug, und zwei im Heck. Und die Sitzgruppe im Salon bietet Platz für weitere zwei Passagiere.
d) Das war eine Insider-Frage an einen Rübenauer! Das Outdoor-Café im ‚Grünen Graben‘ wird von Kurt betrieben. Muss man erlebt haben! Am besten, Ihr plant Euren nächsten Wochenend-Ausflug gleichmal dorthin ein.

Lieber Georg, lieber Gernot! Segelt Ihr auch nach Cuba? Wenn ja, dann trinkt einen Cuba Libre mit auf uns! (Frage von den Börners)
Das machen wir gerne! Da Ihr zu viert seid, wird es bei einem Cuba libre nicht bleiben 😉

Ab der wievielten Woche dürfen/ müssen/ sollten :) Frauen an Bord? (Frage von HB)
Lieber HB! Alles kann, nichts muß. Zur Platzfrage: siehe oben

Nehmt Ihr Kondome mit? (Frage u.a. von Dirk)
Ja! Nein! Vielleicht?

Kann man Eure Route im Internet verfolgen? (Frage u.a. von Stephan)
Eine sehr gute Idee, Stephan. Er hat uns auch gleich einen Tip gegeben.
Ein kleines Gerät, kostet ca 125 $, und das Signal wird via Satellit ins Internet übertragen. Die andere Seite der Medaille: Was ist, wenn das Gerät nicht mehr richtig arbeitet, oder kaputt geht, oder ins Wasser fällt, oder die Batterie leer ist? Wir müssen das ja – mangels eigenem Internet – ja noch nicht einmal mitbekommen. Und zu Hause beginnen dann die Fragen: Was ist passiert? Warum sendet das Signal nicht mehr? Ist denen was passiert? Wo ist die Yacht? Und so weiter. Wer hält diese Ungewissheit wirklich länger aus? Zwölf Tage? Drei Wochen? Einen Monat? Zuviele Fragen. Wir überlegen uns das noch.

Was macht Ihr am Ziel? (Frage u.a. von Ismene)
Liebe Ismene! Wenn wir das schon wüßten, wär‘ es nur halb so spannend.

Was macht Ihr bloß, wenn ich nicht auf Euch aufpasse? (Lutzi)
Lieber Lutz! Genau deshalb nehmen wir Dich im November gerne in Gran Canaria auf, und segeln mit Dir über den großen Teich. Du fängst die goldigsten Goldmakrelen, und – vielleicht – auch einen Blue Marlin. Und dann nennen wir Dich Santiago! Aber bitte lies nochmal nach.

Der Fang des Lebens geht ihm erst am 85. Tag an die Angel, und dann verliert er den gigantischen Marlin (18 Fuß = ca 5,50 Meter) auch noch an die Haie. Das tragische Ende ist in die Literaturgeschichte eingegangen. Ich mußte heulen, als ich am Ende des Films gesehen habe, wie er mit dem skelettierten Fisch in den Hafen eingelaufen ist. Er ist gescheitert, und hat doch gewonnen.
Zitat Wikipedia: Hemingways Formulierung … „Ein Mann kann vernichtet werden, aber nicht besiegt“ ist als Aphorismus in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen worden.

Kommt Ihr zwei wieder zurück? (anonym)
Vertraut uns bitte, wir haben es uns fest vorgenommen!

17. Dresden Marathon Okt 2015

Die Laufstrecke ist völlig kreuzungsfrei und hat eine maximale Höhendifferenz von nur zwanzig Metern zwischen dem niedrigsten Punkt (Start, Ostra-Allee) und dem höchsten Punkt (Tannenstraße, km 6). Sie führt zu mehr als 95% über Asphalt und ist immer gut für persönliche Bestzeiten. Die zweite Marathonrunde ist nur zu ca. 65% mit der ersten Runde identisch. Zitat offizielle Seite

Sachsenring Apr 2013

Doping im Radsport (seit 1899)

Die Tour de France – das könnte eine faszinierende, mehr als hundertjährige Geschichte aus Sex, Drugs und Fahrradfahren sein. Leider macht das lange Sitzen auf den harten Sätteln aber impotent, deswegen bleibt nur eine weitaus weniger faszinierende, aber immerhin über hundertjährige Geschichte aus Drugs und Fahrradfahren.

1899 Nach mehreren Hektolitern Schaumwein und unzähligen Schnäpsen in einem Landgasthof im nordfranzösischen Cherbourg besteigen die beiden Sportjournalisten Henri Desgrange und Géo Lefèvre ihre Hochräder und wachen am nächsten Morgen – mit einem prächtigen Filmriss – in der Nähe von Marseille auf. Die Idee der Tour de France ist geboren.

1900 – 1902 Die Equipe versackt in einem Landgasthof. Die Tour fällt aus.

1903 Die „Tour de France“ kann erstmals ausgetragen werden, als am Morgen das brandneue Medikament Aspirin gereicht wird. Das junge Unternehmen Bayer aus Barmen-Elberfeld – geschätzt seit 1898 wegen des bekömmlichen Hustensafts „Heroin“ – wird erster Sponsor der Tour de France.

1904 Die Tour de France hat ihren ersten Skandal. Wegen unerlaubter Benutzung der Eisenbahn werden vier Teilnehmer disqualifiziert. Sie waren eine gute Woche zu früh am Zielpunkt eingetroffen und hatten nicht mal Fahrräder dabei.

1905-1910 Die frühen Jahre der Tour de France gelten als ihre unbeschwertesten. Tollkühne Männer umrunden auf ihren klapprigen Drahteseln das Land und erzielen dabei teilweise Ergebnisse im zweistelligen Promillebereich. Legendäre Fahrer wie Guzzlin Harry Gruesome (USA) oder Claes Schwinckx (BEL) begeistern die berauschten Zuschauermengen am Straßenrand als unermüdliche Spritfresser. Sieger im Gesamtklassement von 1909 wird der Berliner Bierkutscher Fritz „Die Boulette“ Tietz mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 16 Litern Rotwein auf 100 Kilometern.

1912 Erstmals mischen sich nüchterne Fahrer in die Equipe, fallen aber wegen ihrer schnurgeraden Fahrweise sofort auf und werden von französischen Winzern vermöbelt, die Absatzeinbußen befürchten.

1913 Der belgische Radler Philippe Thys nimmt wegen akuter Zahnschmerzen eine tüchtige Prise Kokain und gewinnt die Tour mit großem Vorsprung. Auch bei seinen Siegen 1914 und 1920 leidet er unter Zahnschmerzen.

1914 Der erste Weltkrieg bricht aus und das Rauchen (Pfeife, Zigarre) während der Bergetappen wird untersagt. Ebenso das Tragen von Monokeln (Unfallgefahr).

1923 Das „ungesunde Morphiumpieken“ während der Tour wird untersagt. Jedenfalls ohne medizinischen Anlass. Als Anlass gelten Lustlosigkeit, Antriebsschwäche oder akute Dekadenz.

1944 Dem deutschen Team wird der überraschend deutliche Sieg der Tour de France im Jahre 1940 aberkannt. Wie sich herausstellt, hatten die deutschen Radsportler dabei widerrechtlich Kettenfahrzeuge benutzt. Die deutschen „Blitzkrieg Boys“, so der brancheninterne Spitzname des ehemals umjubelten Erfolgsteams, müssen ein Jahr später ihre braunen Trikots zurückgeben.

1953 Der Chemiekonzern Sandoz testet das von Albert Hofmann entwickelte Präparat Delysid – vom Hersteller als „leichter Stimmungsaufheller“ bezeichnet – an den Fahrern seines Teams. Übereinstimmend berichten die Fahrer, die erst kurz vor Dakar (Senegal) wieder eingefangen werden konnten, von einem „angenehmen Kribbeln in beiden Köpfen“ und sprechenden Hühnern, die auf Bäumen wachsen.

1969 Erstmals nimmt ein Team der Pariser Universität Sorbonne an der Tour teil. Verbissen kämpfen die Herren in Hornbrille und Rollkragenpullover um eine Phänomenologie das Fahrrades und einigen sich schließlich auf die Definition, dass es „nicht das ist, was es ist, und das das ist, was es nicht ist“. Zum Eklat kommt es, als größere Mengen Marihuana in der Formulierung nachgewiesen werden können. Die Studenten gehen auf die Barrikaden, Jean Paul Sartre droht mit weiteren Theaterstücken.

1976 Der englische Fahrer Tom Simpson stirbt beim Anstieg zum Mont Ventoux an einem Herzinfarkt. In seinem Blut werden große Mengen von Amphetaminen und Alkohol nachgewiesen. Doch Teamchef Percy Fitchfitch wiegelt ab. „Das sind übliche Werte. Ganz normal für einen Briten in seinem Alter. Immerhin ist Wochenende.“

1978 Der Belgier Michel Pollentier schmuggelt erfolgreich fremden Urin durch die schärfer werdenden Kontrollen. Allerdings wird er trotzdem neun Monate gesperrt – wegen seiner Schwangerschaft. Anschließend muss er sein Gelbes Trikot gegen ein Umstandskleid in gleicher Farbe eintauschen.

1997 Das usbekische Team um die ehemalige Jugendmeisterin im Hammerwerfen, Dschamolidin Abduschaparow, gewinnt überraschend die Bergetappe zum Col du Tourmalet (Pyrenäen). „Ich hab die Jungs hochgeworfen“ bekennt der 2,40-Meter-Hüne schließlich, bestreitet aber den Einsatz von Anabolika („Sie sollten erst mal meine kleine Schwester sehen.“). Nach einer einjährigen Sperre zieht sich Abduschaparow aus dem Radrenngeschäft zurück und tritt als „Die stärkste Frau der Welt (mit Bart)“ auf Jahrmärkten und Pharma-Kongressen auf.

1998 Belgische Zollbeamte decken den vermeintlich größten Drogenschmuggel in der Geschichte des Landes auf, in der Tat handelte es sich aber lediglich um einen Mitarbeiter des Rennstalles „Festina“ auf dem Weg zur Arbeit. Als die Beamten über 400 Ampullen des Mittels Epo in seinem Wagen finden, gibt der Mann Eigenbedarf an. Damit hätte der Mann etwa 900 Liter Blut in seinen Adern.

1999 – 2005 Der Amerikaner Lance Armstrong gewinnt die Tour sieben Mal hintereinander. Besonders in Frankreich werden Dopingvorwürfe gegen ihn laut. Um seine Unschuld zu beweisen, veröffentlicht Armstrong schließlich ein Bulletin mit den wichtigsten technischen Daten vor und legt seine Schaltkreise offen.

Februar 2007 Jan Ullrich beendet wegen wiederholter Dopingvorwürfe seine Karriere. Nachdem mehrere Blutbeutel mit eigenem Blut bei ihm gefunden wurden, gilt Ullrich als überführt. „Ich bin halt ein selbstverliebter Vampir“, verteidigt sich der Rostocker wenig überzeugend. Außerdem soll Ullrich mit Eigen-Urin gegurgelt haben. „Aber ich habe nie inhaliert“, sagt Ullrich.

Mai 2007 Auch die Fahrer Bert Dietz, Christian Henn, Udo Bölts sowie deren Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid bekennen sich als Dopingsünder. Erik Zabel und Rolf Aldag auch. Erik Zabel muss sogar vor Rührung über soviel Ehrlichkeit heulen.

Juni 2007 Der Einfachheit sollen sich jetzt alle mal melden, die bisher noch nicht gedopt haben, verlangt die Rennleitung in einem öffentlichen Aufruf. Als sich niemand meldet, werden erst Amateurfahrer zur Tour de France zugelassen, dann Stützräder, zuletzt sogar Kettcars und Krankenfahrstühle.

Juli 2007 Lance Armstrong kehrt aus dem Ruhestand zurück, den er als Fertigungsroboter in einem Automobilwerk in Detroit genossen hatte und gewinnt die Tour de France zum achten Mal.

Quelle „Glasauge“ bei Welt24

Medien

Nachrichten

Der Spiegel –>

Eulenspiegel –>

FAZ –>

Focus –>

‚FP‘ MEK –>

Google-News –>

Indiskretion Ehrensache –>

Rebellen ohne Markt –>

Stern –>

SZ –>

Titanic –>

Welt –>

Zeit –>

Bild-Blog –>

Bild –>

Tele+Visionen

ARD –>

BBC –>

CNN –>

dctp-TV –>

heute ZDF –>

LaOla-TV –>

Live-Sport –>

NTV –>

Reuters (DE) –>

Schweiz-TV –>

Tagesschau ARD –>

Zattoo –>

ZDF –>

Radios

Deezer –>

Laut FM –>

Nature Sounds –>

NRJ Webradios –>

Piratenradio –>

Radio PSR –>

Radio-Szene –>

relax & enjoy –>

Rock103 Memphis –>

Rockland digital –>

RSA Rockzirkus –>