(a) Lanzarote-Marathon International

10. Dezember 2016
28° 57′ 42.5″N 013° 32′ 38.0″W

Inzwischen veranstaltet fast jede Stadt einen eigenen Marathon. Je bunter und je zahlreicher das Teilnehmerfeld – desto bedeutender das Image (denkt das Stadtmarketing). Hier laufen tatsächlich viele ausländische

Start zum Lanzarote-Marathon
Start zum Lanzarote-Marathon
Sportler mit. Eine Auswahl: Deutsche, Engländer, Iren, Russen, Schweizer, US-Amerikaner, alphabetisch sortiert, nicht nach Bedeutung. Deshalb heißt der Lanzarote-Marathon auch „International“.
Aber was hat das Ganze mit Datteln, Walnüssen, Melonen, Mettwurst, Kastanien und Kakteen zu tun? weiter lesen…

(a) Willkommen in Jorf Lasfar

25. November 2016 03:00 Uhr
33° 07‘ 53.286“ N 008° 37‘ 10.851“ W

Jorf Lasfar – der zweitgrößte Hafen Marokkos. Ganz hinten rechts haben wir festgemacht.

Nachts um drei haben wir uns an einem Ponton festgemacht, in der hintersten Ecke des Überseehafens. Wenigstens ein paar Stunden schlafen. Danach sehen, wie es weitergehen kann. Um sieben waren die Stunden schon vorbei. Lautes, mehrfaches Klopfen am Schiffsrumpf. Also aufstehen, nachsehen.
Immerhin sind wir ohne Anmeldung hier eingedrungen, ohne Papiere, ohne Visa. Kaum vorstellbar, dass das umgekehrt ein marokkanischer Segler im Hamburger Hafen auch erlebt hätte. Vermutlich wären nach zehn Minuten schon zwei dicke Schlauchboote längsseits gewesen.

weiter lesen…

(a) Vilamoura – Jorf Lasfar

Lutz aus Chemnitz segelt mit - von Vilamoura zu den kanarischen Inseln.
Lutz aus Chemnitz segelt mit
– von Vilamoura zu den kanarischen Inseln.
Die nächste Etappe wird einige Herausforderungen bereithalten. Mit mindestens 600 Meilen ist diese Strecke die bisher längste. Der Kurs kreuzt zunächst die Gibraltar-Route der Ozeanriesen. Gleichzeitig wirkt die Straße von Gibraltar wie eine Wetterdüse. Starker Wind und heftige Strömungen sind hier die Regel. Und die Prognosen sind nur zuverlässig für ein bis maximal zwei Tage. Für die Zeit danach kommt es auf die eigenen Beobachtungen an.

Lutz aus Chemnitz – der ursprünglich dritte Mann für die Atlantiküberquerung – ist vorgestern mit dem Flugzeug in Faro gelandet. Zu zweit werden wir von Vilamoura zu den Kanaren segeln, möglichst in einem Stück.


weiter lesen …

(a) Wissen ist Fisch

19. November 2016, 13:30 Uhr
37° 04′ 34.512″ N 008° 07′ 20.164″ W

Ein Gastbeitrag von Lutz Lange

Lutzis Schleppangel …sieht unscheinbar aus, ist aber ein Unikat und durchdacht; das Ergebnis umfassender Recherche in internationalen Foren und Publikationen. Der Atlantik ist ihr Heim-, Ost- und Nordseeangelei das Auswärtsspiel. Die Anpassung erfolgt übers Vorfach.

Ilnader (oben) mit Williamson-Bird. War auch schon im Mittelmeer erfolgreich
Ilander (oben) mit Williamson-Bird. War auch schon im Mittelmeer erfolgreich

weiter lesen…

(a) Die Nebelfahrt vor Douro/ Porto

30. September 2016, 03:30 Uhr
41° 12′ 55″ N 008° 46′ 57″ W

Kaum noch Wind, 140 Grad ist unser Kurs. Keine Wellen, die Sterne funkeln in der mondlosen Nacht. Wir dieseln Richtung Porto, bei diesem Tempo rechnen wir mit anderthalb Stunden.

Kurz vor vier Uhr an diesem Morgen werden wir plötzlich von einem dichtem Nebel eingefangen. Bis zum Land querab sind es nur noch drei Meilen, bis zur Hafeneinfahrt
weiter lesen …

(a) Das Kreuz des Südens

16. September 2016

Die Wellen im westlichen englischen Kanal sind schon deutlich länger als noch in der Ostsee. Unsere Yacht steckt das Vorschiff in jeder dritten, vierten Welle voll ins Wasser. Unsere Katja nimmt die See ‚auf Lunge‘. Das Resultat sehen wir dann unten in der Kabine, im Vorschiff: Seewasser läuft an der Vorderwand herunter. Matratzen, Bettdecke, Schlafsack, T-Shirts, Hemden, Hosen, Bücher – alles
weiter lesen …

(a) Der Nullmeridian

14. September 2016, 08:13 Uhr
50° 03‘ 45.641“ N 000° 00‘ 17.002“ W

Wir passieren den Nullmeridian. Bis hierher war unsere Position immer ‚östliche Länge‘, ab jetzt also westlich. Und schon in der nächsten Stunde schlägt das Wetter um. Aus einer nervenden Flaute werden zunehmend heftige, von Westen kommende Gegenwinde. Die Wellenhöhe steigt zügig von einem halben auf zwei bis drei Meter. Vorsorglich rollen wir die
weiter lesen …

(a) Nord-Ostsee-Kanal (NOK)
Kiel – Rendsburg – Brunsbüttel

Dickschiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal
Dickschiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal
4. und 5. September 2016

Wir dieseln mit 3 bis 4 Knoten durch den etwa 100 bis 200 Meter breiten Kanal. Zwischen den Bäumen am Rande oder an den Fähr-Anlegestellen stehen immer wieder Wohnmobile. Mal fünf, auch zehn, mal über zwanzig. Schön gerade nebeneinander, die Nase immer Richtung Kanal. Gemütlich sitzen die Camper daneben auf ihren Klappstühlen, und beobachten die vorüberfahrenden Schiffe.
Kein Wind. Nur wenn uns eines dieser

weiter lesen …

(a) Häufig gestellte Fragen

Wie heißt Eure Yacht?
Katja. Der Name ist abgeleitet vom Yachthersteller Catalina. Das ist die Werft in Kalifornien (USA), auf der die Yacht als Nummer 470 gebaut und 1986 zu Wasser gelassen wurde.

Wie lang ist die Segelyacht?
36 Fuß. Das entspricht 11,06 Meter. Die Breite beträgt 3,63 Meter, der Tiefgang liegt bei etwa 1,60 Metern.

weiter lesen …

Lanzarote-Marathon International

10. Dezember 2016
28° 57′ 42.5″N 013° 32′ 38.0″W

Start zum Lanzarote-Marathon
Start zum Lanzarote-Marathon
Inzwischen veranstaltet fast jede Stadt einen eigenen Marathon. Je bunter und je zahlreicher das Teilnehmerfeld – desto bedeutender das Image (denkt das Stadtmarketing). Hier laufen tatsächlich viele ausländische Sportler mit. Eine Auswahl: Deutsche, Engländer, Iren, Russen, Schweizer, US-Amerikaner, alphabetisch sortiert, nicht nach Bedeutung. Deshalb heißt der Lanzarote-Marathon auch „International“.

Aber was hat das Ganze mit Avocados, Datteln, Walnüssen, Melonen, Mettwurst, Quark, Kastanien, Gummibären und Kakteen zu tun?

08:30 Uhr

Lanzarote-Kontrast: Auf der einen Seite wunderschöne Villen, ....
Lanzarote-Kontrast: Auf der einen Seite wunderschöne Villen, ….
Start und Ziel liegen 10 Kilometer entfernt. Also wie komme ich nach dem Lauf wieder zurück zu meinem Boot, zum Hafen? Ganz einfach: ich fahre mit meinem Rad zum Ziel, tausche dort die Schuhe, und fahre mit dem Sportler-Bus zurück zum Start. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Ausserdem kann ich so schonmal ein bisschen Bewegung in meine untrainierten Beine bringen, und ich lerne die Strecke kennen.

09:40 Uhr

... auf der anderen Seite die Müllverbrennung  und das Ölterminal.
… auf der anderen Seite die Müllverbrennung und das Ölterminal.
In Teguise-Beach stehen zahlreiche Busse bereit, die die Läufer zum Start nach Arrecife bringen. Läufer unterschiedlichster Nationen sammeln sich an der Haltestelle. Englisch ist besonders laut und deutlich zu hören. Und die deutschen Sportler bilden erstmal eine Reihe. Eine gute Gelegenheit, sich die Konkurrenten anzusehen.

Ich war ja in den vergangenen Wochen und Monaten eher nicht auf Trainingsstrecken zu sehen. Wie deutlich werde ich dieses Defizit zu spüren bekommen? In den Nachtwachen habe ich mich mit 10 x 10 Kniebeugen-Serien wachgehalten. Mit geradem Rücken schön langsam runter mit dem Gesäß bis an die Fersen, kurze ‚Russenhocke‘, und genauso schön langsam wieder hoch. Hilft das?

10:10 Uhr

Der Bus kommt in Arrecife an, es sind noch fast zwei Stunden bis zum Start. Und was machen die Läufer? Erstmal anstellen, diesmal bei den Toiletten. „Stell irgendwo ein Dixie-Klo auf, schon bildet sich eine Wartegemeinschaft“. In der Seitenscheibe eines Polizeiautos prüfe ich vorsichtig und möglichst unauffällig mein Profil. Fast 3.000 Meilen gesegelt – aber keine 50 Kilometer trainiert. Ich fürchte, das sieht jeder.

10:30 Uhr

Windvorhersage: zwischen 10 und 13 Knoten (x 1,852 = km/h). Leider nicht von Südost (SE), sondern tatsächlich direkt von vorn (NE),  Böen bis 17 Knoten.
Windvorhersage: zwischen 10 und 13 Knoten (x 1,852 = km/h). Leider nicht von Südost (SE), sondern tatsächlich direkt von vorn (NE), Böen bis 17 Knoten.
Noch 90 Minuten bis zum Start. Es wird heiß heute, 25 °C. Nicht umsonst war im Startpaket auch zweimal Sonnencreme enthalten. Und wie in der Segelwetter-Vorhersage angekündigt frischt der Wind auf. Aber leider genau von vorn, Nordost, also steuerbord voraus. Die Schweißperlen auf meiner Stirn sind doch kein Angstschweiß, oder?

Mein erster 10-Kilometer-Lauf hatte tiefe Spuren hinterlassen. Irgendwann im September 1977 oder 1978 kam ein Funktionär des Sportklubs Karl-Marx-Stadt auf die ruhmreiche Idee, wir Schwimmer müssten doch auchmal einen richtigen Ausdauerlauf bestehen. Und so sind wir – ich war damals 13 oder 14 Jahre alt – an einem Sonnabend in den Bus gestiegen und nach Halle gefahren. Meine längste Strecke bis dahin: 5 Runden um den Stadtparkteich. Also überschaubar. Irgendwie habe ich die 10 Kilometer auch geschafft. Wie genau, weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich aber noch heute deutlich an die Schmerzen, die ich eine Woche lang hatte. Also doch Angstschweiß?

10:45 Uhr

Anmeldung über einen Hauptsponsor: In der Kategorie "Veterano D" starten drei Deutsche
Anmeldung über einen Hauptsponsor: In der Kategorie „Veterano D“ starten drei Deutsche
Die Anmeldung für die langen Strecken 21 und 42 Kilomter war schon zwei Wochen vorher ausgebucht. Meinen Startplatz habe ich einem der Hauptsponsoren zu verdanken. Und wer jetzt denkt, die Spanier sind lässig: das erstemal überhaupt mußte ich meinen Personalausweis vorlegen für eine Anmeldung.

11:00 Uhr

Soso, der Friedensprozess ist also Schuld
Soso, der Friedensprozess ist also Schuld. Der Hafenfunk dudelt „let it snow“.
Noch eine Stunde bis zum Start. Mein Boot liegt 200 Meter entfernt im Hafen. Also jogge ich nochmal ,nach Hause‘, Zeitung lesen. Der Hafenfunk dudelt Weihnachtsmusik, „let it snow, let it snow, let it snow.“ Ich lese in der FAZ, dass der Friedensprozess für einen Kokainboom sorgt. Und sorge mich auch: wie die FAZ das Wort ’sorgen‘ verwendet.

12:00 Uhr

Highnoon, irgendwann musste es ja mal losgehen. Schön locker bleiben, erstmal eintraben. Aber der akustische Einpeitscher dreht sein Volldampf-Radio nochmal einen Zacken weiter auf: „ARRRRRRIVA! VAMOS!! VENGA!!!“ Da fangen sogar meine Quarkbeine an zu zappeln. Jetzt fehlen bloß noch die Jungs von AC/DC mit „Highway to hell“.

KM 1:

Motivation ist wichtig bei so einer Anstrengung. Also sucht man sich eine optisch anregende Sportlerin, und läuft einfach hinterher. Das ist nicht sexistisch, das ist die Grundregel für die Untrainierten. Frauen suchen sich auch ‚ihren‘ Blickfang. Meine Vorderfrau ist schnell gefunden: sehr groß, sehr schlank, sehr neongrün. Kann ich überhaupt nicht aus den Augen verlieren. Ihre Startnummer? 14xx. Sie hat sich etwa eine Stunde nach mir angemeldet, auch beim Hauptsponsor 😉

KM 2:

Blick zurück zum Hafen. Die ersten Höhenmeter sind geschafft, ich bin es auch.
Blick zurück zum Hafen. Die ersten Höhenmeter sind geschafft, ich bin es auch.
Die ersten 60 Höhenmeter. Soviele, wie beim Dresden-Marathon auf der 42-km-Runde insgesamt. Meine Polar zeigt 165 Pulsschläge. Das ist doch kein 100-Meter-Lauf! Ich komme mir vor wie ein Kastanien-Männchen, mit rundem Bauch und Streichholzbeinchen. ARRRIVA!!
Gleich nach dem Hafen geht es rechts auf die LZ 101 und wieder hinunter zum Kreisverkehr Richtung Müllverbrennung und Ölterminal.
Schiffswrack Telamon
Schiffswrack: Die Telamon sank am 31. Oktober 1981
Hier greift der Gegenwind erstmals richtig an. Rechts noch eine fragliche Sehenswürdigkeit: das Wrack der Telamon.

KM 3 – 4:

Die Badebucht ‚Playa El Ancla‘. Wie schön wäre es jetzt, einfach mal baden zu gehen? Ich gehe offenbar auch so richtig baden: erst vier Kilometer, und das Kastanienmännchen mutiert zur Matsch-Avocado auf Schaschlik-Spieß. Training macht sich bezahlt. Nicht-Training auch. Wo ist eigentlich mein neongrüner Blickfang? Mindestens 100 Meter voraus.

KM 5 – 6:

Verlockende Badebucht
Verlockende Badebucht
Es geht die Calle Real hoch, und oben rechts in die Calle de los Volcanos. Heiß wie ein Vulkan glüht mein Kopf in der Mittagshitze. Und wie das linke Knie brennt – höllisch. Gleich danach wieder bergab, runter zur Strandpromenade. Ich hebe meine Knie, versuche längere Schritte. Und kann den Abstand zu meiner neongrünen Tempomacherin etwas verkürzen, nur noch 90 Meter.

KM 7:

Neon ist die Farbe des Tages: so verliert man das Ziel nicht aus den Augen
Neon ist die Farbe des Tages: so verliert man das Ziel nicht aus den Augen
Der nächste Anstieg. Dieser wellige Küstenkurs eignet sich für ein ausgewachsenes Tempotraining. Schön die Knie heben, Kopf hoch, Rücken gerade – ich versuche es wieder mit langen Schritten. Nur noch 70 Meter Abstand. Aber zu welchem Preis? Mein Puls vibriert irgendwo bei 170, im Kopf hämmert ein bayerischer Hufschmied gegen mein linkes Ohr.

KM 8:

Die nächste Welle. Von der Küste weg geht es jetzt an Hotels vorbei. Karaoke-, Bier- und Tanzbars, Supermärkte, Apotheken, Kliniken, Tabak- und Souvenirläden, wieder Apotheken, wieder Bars. Die meisten dieser Angebote richten sich an unsere englischsprechenden Ex-Europäer.

Kliniken, Apotheken, Bars, Grills - zielgruppengerechte (und fragliche) Freizeitmöglichkeiten entlang der Strecke.
Kliniken, Apotheken, Bars, Grills – zielgruppengerechte (und fragliche) Freizeitmöglichkeiten entlang der Strecke.
Wo bin ich denn hier?! Ist das der ortsübliche Versuch, Touristen ein Urlaubsgefühl zu vermitteln? Wir reden hier von den drei schönsten Wochen im Jahr, für die manche Leute über 45 Wochen lang hart arbeiten müssen. Um dann hier zu landen? Der Weltraumbahnhof bei „Men in Black“ könnte nicht verrückter sein.

KM 9:

Noch 1.000 Meter, wieder leicht bergab. Ein letztes Mal kommt so etwas wie Bewegung in meine Beine. Ab jetzt überholt mich keiner mehr! Kopf hoch, lächeln, Knie hoch, Zähne zammbeissn! „Versuche bitte, es wie einen Endspurt aussehen zu lassen!“, höre ich meine innere Stimme. Das muss mein neongrüner Blickfang auch gehört haben. Sie zieht das Tempo an. Aber ich kann den Abstand verringern, nur noch 50 Meter.

Das Kontrastprogramm: Kakteen in der Lava-Landschaft.
Das Kontrastprogramm: Kakteen in der Lava-Landschaft.
Noch 750 Meter. Die Matsch-Avocado fühlt sich jetzt wie eine Wassermelone mit Mettwurstbeinen. Wer hat da noch einen Blick für diese wunderschönen Kakteen? Stehen da einfach so im Lavagranulat. Herrlich! Noch 500, 400, 300 Meter. Kniee hoch, Du Mettwurst! Der Blickfang hält dagegen, das wird heute nichts mehr mit dem Überholen.
Im Ziel, geschafft!
Im Ziel, geschafft!
100, 50, 20 Meter, die Ziellinie. Geschafft!

13:00 Uhr

Ich lasse mir die Medaille umhängen, gracias senorita, und greife mir einen Wasserbecher. Da ist ja auch meine Motivatorin! Ganz außer Atem, die Süße! Und es sah so lässig aus, so sportlich, wie sie dem Ziel entgegenschwebte. Toller Endspurt, hast Du Schmerzen? „Das chasch grad vergässe! Weimer zämä go ässä?“

Buffet - und alles ohne Essenmarken
Buffet – und alles ohne Essenmarken
Gute Idee! Und es ist wie im Schlaraffenland! Walnüsse, Pistazien, Datteln, Rosinen, Schokoladen- und Vanilleeis, Gummibären und Bananen bis zum Abwinken. Orangen, Käse-Sandwiches, Tagliatelle mit 3 verschiedenen Soßen – und alles ohne Essenmarken. Ein Genuß!

Meine Tempomacherin aus der Schweiz habe ich danach nicht noch einmal gesehen. Aber es gibt auch bei diesem 10-km-Lauf etwas, was ich nicht mehr vergessen werde…

Willkommen in Jorf Lasfar

25. November 2016 03:00 Uhr
33° 07‘ 53.286“ N 008° 37‘ 10.851“ W

Jorf Lasfar – der zweitgrößte Hafen Marokkos. Ganz hinten rechts haben wir festgemacht.
Nachts um drei haben wir uns an einem Ponton festgemacht, in der hintersten Ecke des Überseehafens. Wenigstens ein paar Stunden schlafen. Danach sehen, wie es weitergehen kann. Um sieben waren die Stunden schon vorbei. Lautes, mehrfaches Klopfen am Schiffsrumpf. Also aufstehen, nachsehen.
Immerhin sind wir ohne Anmeldung hier eingedrungen, ohne Papiere, ohne Visa. Kaum vorstellbar, dass das umgekehrt ein marokkanischer Segler im Hamburger Hafen auch erlebt hätte. Vermutlich wären nach zehn Minuten schon zwei dicke Schlauchboote längsseits gewesen.

Wieder klopft jemand an das Schiff, kein Zweifel – es wird ernst. Nur knapp vier Stunden geschlafen, nach so einer Fahrt. Muss das sein? Es hilft nichts, also Hosen an, Pullover drüber, und raus, nachsehen. Ein Arbeiter mit Helm und Gummistiefeln steht im Dreck des Pontons. Seine Worte prasseln wie die Regenschauer. Ich verstehe kein Wort. Marokko war doch mal eine französische Kolonie? Also nochmal von vorn: „Bonjour, Monsieur!“ Freundliche Worte, er quittiert. Dennoch wedelt der Mann auf dem Ponton aufgeregt mit seinen Armen, und zeigt immer wieder in das Innere des Hafens. Ignorieren? Verstehen? Was genau sollen wir machen? Also wird in Marokko doch gearbeitet am Freitag?

Kein Zweifel, der Mann meint es sehr ernst. Weg hier, wir sollen verschwinden. „Aber wohin?“ Wieder zeigt er in das Innere des Hafens, „Bureau“ verstehe ich. Also gibt es eine Anmeldung, einen Hafenmeister. Was auch immer, hier sind wir die Ausländer. „Comprender, compris, ponimaju.“ Ich versuche ihm zu zeigen, daß ich verstanden habe.

Jorf Lasfar – Frachtschiffe werden über Förderbänder mit Schwefelbrocken beladen.
Noch völlig benommen nach der kurzen Nacht starten wir wieder die Maschine, und legen ab. Schon nähert sich in schneller Fahrt ein großer Schlepper, gut 50 Meter lang, mit einer breiten Bugwelle. Keine zwei Minuten, nachdem wir den Ponton verlassen haben, geht er dort längsseits. Von uns will der nichts. Was bleibt uns übrig? Wir dieseln aus der Ecke zurück in den Hafen, ziehen langsam in das nächste Hafenbecken, vorbei an einem Frachtschiff, das gerade beladen wird. Ganz hinten sind kleinere Motorschiffe zusehen, grau und kräftig, die Küstenwache.

Unser Anlageplatz in Marokko: eine alte Tankstelle der Offshore-Kategorie.
Was soll`s, uns haben die bestimmt schon gesehen. Wo kann man hier festmachen? Die Kaimauer ist mehr als vier Meter hoch, bestimmt über zweihundert Meter lang. Meterdicke Gummirollen hängen herunter, auch hier also eher ein Platz für Frachtschiffe der Ozeankategorie. Ganz am Rand finden wir wieder einen Ponton, zwanzig mal zehn Meter. Das Ganze sieht aus wie eine alte Tankstelle: ein halbes dutzend alte Ölfässer, Dreckpfützen, zwei verrostete Winden, Gasflaschen, ein alter Anker, viel Kabelgewirr, mit armdicken Stahltrossen und Tauen. Egal, wenigstens die Ausstiegshöhe ist annehmbar. Am Rand hängen Traktorreifen als Prallschutz. Das wird häßliche schwarze Streifen geben an der Catalina.

Wir machen fest. Gerade rechtzeitig, schon prasselt der nächste Regenguß über unsere Köpfe. Erstmal Kaffee kochen, etwas essen. Nachdenken. Es dauert nicht lange, und wir hören wieder draußen Stimmen. Ich krieche unter der Sprayhood hervor, und schaue zum Anleger. Drei Männer, einer winkt mich herüber. Ich stehe unten auf dem öligen Ponton, in kurzen Hosen und Badelatschen. Und oben, vier Meter über mir: die Staatsmacht. Zwei Uniformierte, ein Zivilist. Der zeigt hinüber zu einem Gebäude. Wir sollen uns dort melden, wenn das Wasser gestiegen ist. Kein Problem, denke ich, das geht auch jetzt.

Bei „Wetten-dass!“ gab es mal eine gewonnene Außenwette. Dabei hatte ein einzelner Mann einen Ozeanriesen mit einer Stange vom Kai weggedrückt, in fünf Minuten. Der Ponton ist dagegen eher eine kleine Aufgabe. Ob ich das schaffe?

Gerade wollen die drei wieder gehen. Ich bedeute ihnen zu warten. Und packe die armdicke Festmacherleine, stemme mich mit den Badelatschen in eine Stahltrosse. Stetiger Zug bringt den Ponton wirklich in Bewegung, Zentimeter für Zentimeter. Ganz langsam, aber deutlich. Sie warten. Am Rand eine verrostete Leiter, entschlossen klettere ich hinauf. So, auf Augenhöhe das Ganze nochmal: Wir sollen uns anmelden, und ich zeige ihnen, dass ich es verstanden habe.

Hafengebäude in Jorf Lasfar. Segler sind nicht das Tagesgeschäft, aber willkommen
Zehn Minuten später betrete ich die Hafenverwaltung. Am Tisch im ersten Stock die Männer von vorhin, Zoll, Immigration, Hafenmeister. Geduldig schreibt jeder für sich die Papiere ab, einer macht Kopien der Reisepässe. Der Immigrationsmann sieht besonders grimmig aus. Was ist nicht in Ordnung? Ich verstehe, dass es ein Problem gibt mit dem Geburtsort. Bei Lutz steht im Pass: „Chemnitz (früher Karl-Marx-Stadt)“. „Ist das wirklich nötig (realy necessary)?“ Ich sage ihm, dass „Chemnitz“ auch ausreicht. Meine Erklärung der zeitweiligen Umbenennung interessiert ihn wenig. Die Schiffspapiere behalten sie da, erst soll am Nachmittag der Liegeplatz bezahlt werden. Und schon schließt sich der Aktendeckel, ich bekomme den Durchschlag der Zollpapiere. Gültig ein halbes Jahr, vor der Ausreise sollen wir die wieder vorlegen. Fertig.

Willkommen in Marokko. Nicht Agadir, nicht Tangier, nicht Casablanca, nicht Rabat. Aber immerhin sturmsicher. Draußen auf dem Meer rollen die Regenwolken vorbei. Und auf unserer Steuerbordseite flattert eine nagelneue marokkanische Flagge im Wind. Die hatte ich für drei Euro in Cadiz gekauft. Sicher ist immer wieder: sicher.

Vilamoura – Jorf Lasfar

Lutz aus Chemnitz segelt mit - von Vilamoura zu den kanarischen Inseln.
Lutz aus Chemnitz segelt mit
– von Vilamoura zu den kanarischen Inseln.
Die nächste Etappe wird einige Herausforderungen bereithalten. Mit mindestens 600 Meilen ist diese Strecke die bisher längste. Der Kurs kreuzt zunächst die Gibraltar-Route der Ozeanriesen. Gleichzeitig wirkt die Straße von Gibraltar wie eine Wetterdüse. Starker Wind und heftige Strömungen sind hier die Regel. Und die Prognosen sind nur zuverlässig für ein bis maximal zwei Tage. Für die Zeit danach kommt es auf die eigenen Beobachtungen an.

Lutz aus Chemnitz – der ursprünglich dritte Mann für die Atlantiküberquerung – ist vorgestern mit dem Flugzeug in Faro gelandet. Zu zweit werden wir von Vilamoura zu den Kanaren segeln, möglichst in einem Stück.

Montag, 21. November 2016, 15 Uhr
37 04 03.528 N 008 07 26.159 W
Vollgetankt und für mindestens 14 Tage ausreichend verproviantiert legen wir in Vilamoura/ Portugal ab. Zunächst kommt der Wind mit 5 Beaufort von Südwest, also direkt von vorn. Aber für die nächsten Tage wird mäßiger Rückenwind vorausgesagt. Mit gerefften Segeln geht es durch die erste Nacht.

Dienstag, 22. November 2016, 9:30 Uhr
36 23 19.488 N 008 09 02.783 W
Die erste Nacht liegt hinter uns, die Schifffahrtrouten von und nach Gibraltar sind schon passiert. Wir haben in 18 Stunden fast 70 Meilen geschafft, liegen also voll im Plan. Statt auf Nordwest drehte der Wind in der Nacht aber weiter auf Süd, kommt also genau aus unserer Fahrtrichtung. Wir müssen ostwärts ausweichen.

Dienstag, 22. November 2016, 23 Uhr
35 11 23.970 N 008 11 30.257 W
Es regnet, der Wind lässt etwas nach. Getreu einer alten Seglerregel: Erst Wind, dann Regen – schlafen legen. Inzwischen haben wir unseren Rhythmus gefunden bei den Nachtwachen, etwa alle zwei Stunden wird gewechselt. Marokko liegt fast 100 Meilen querab, mit Fischern muss man hier also nicht mehr – oder noch nicht – rechnen.

Mittwoch, 23. November 2016, 8 Uhr
34° 34′ 49.590″ N 008° 01′ 41.760″ W
Vor einer halben Stunde ist die Sonne aufgegangen, die zweite Nacht liegt hinter uns. Mehr als 160 Meilen sind geschafft – das erste Viertel.
Neben dem Regen macht uns auch die nächtliche Kälte mit weniger als 15 Grad zu schaffen. Zwei Thermohosen, noch eine gummierte Latzhose darüber, zwei Pullover, eine Fleecejacke und darüber eine Windjacke sind obligatorisch.

Regenbö. In der Mitte ist eine "Wasserhose" - der Rüssel eines kleinen Tornados - zu erkennen.
Regenbö in östlicher Richtung. In der Mitte ist eine „Wasserhose“ – der Rüssel eines kleinen Tornados – zu erkennen.

Ein Tornado-Rüssel in östlicher Richtung lässt nichts Gutes ahnen. Der Wind weht immer noch aus Süd, jetzt wieder stärker, der Seegang nimmt zu. (Foto)

Mittwoch, 23. November 2016, 19 Uhr
34 09 21.053 N 008 05 14.567 W
Die dritte Nacht bricht an. Immer wieder ziehen Regenschauer vorüber. Das beginnt meist mit einem heftig zunehmenden Wind, der das Schiff weit auf die Seite legt. Dann peitscht der Regen auf das Schiff und das Wasser, die See wird nahezu glatt unter den Wassermassen. Nach einer halben Stunde ist das Gröbste vorüber.

In den vergangenen fünf Stunden haben wir nur noch 12 Meilen geschafft, das bedeutet deutlich weniger als die Hälfte der bisherigen Geschwindigkeit. Auch von unserem Kurs sind wir meilenweit entfernt. Statt auf die Kanaren halten wir direkt auf Casablanca zu. Am Horizont sind schon die Lichtreflexionen der marokkanischen Großstadt zu sehen.

Donnerstag, 24. November 2016, 15 Uhr
33 33 01.980 N 008 35 07.673 W

Regenbogen - das ist die schöne Seite eines Regenschauers.
Regenbogen – das ist die schöne Seite eines Regenschauers.
Seit drei Tagen sind wir nun unterwegs. Vom vorausgesagten Rückenwind ist nach wie vor nichts zu sehen. Stattdessen immer wieder Regenschauer und stürmischer Wind von Südwest. Vom gewünschten Kurs sind wir jetzt fast 60 Grad entfernt, wir versuchen es im Zickzack mit einigen Wenden. Soweit möglich trocknen wir uns und unsere Sachen in den Regenpausen. Wenigstens werden wir nach den Schauern mit wunderschönen Regenbögen belohnt. (Foto)

Die vierte Nacht steht bevor. Wir haben vorgekocht: ein großer Topf Spirelli und Fleisch aus der Dose.

Donnerstag, 24. November 2016, 18 Uhr
33° 30′ 52.553″ N 008° 40′ 35.964″ W
Die Sonne geht unter. Von backbord voraus strahlen die Lichter mehrerer marokkanischen Städte, El Jadida, Moulay Abellah Amghar, Ouled el Ghadbane. Das Land liegt nur noch 20 Meilen vor uns. Mit einer Wende wollen wir wenigstens einen Kurs parallel zum Land halten. Es kommt einem vor wie eine lange Bergauffahrt: man strengt sich an, aber es geht nicht voran.

Und immer wieder starke Regenschauer. Welchen Weg nimmt die nächste Wolkenwalze? Kommen wir vorher durch, oder erst danach, oder trifft sie uns? Einige Male gelingt es uns, wenigstens den kräftigsten Böen auszuweichen.

Donnerstag, 24. November 2016, 20 Uhr
33 23 31.841 N 008 40 47.315 W

Das Anemometer zeigt 47 Knoten - Sturmstärke
Das Anemometer zeigt 47 Knoten – Sturmstärke
Wir liegen immer noch auf Südkurs. Seit Stunden immer wieder Regenfronten, der Wind kommt aus der falschen Richtung, keine Drehung auf die erhoffte Nord-West-Richtung. Wir fahren „Nähmaschine“, kreuzen gegenan. Wende nach backbord, Wende nach steuerbord. Das Ergebnis bleibt das Gleiche: Kein Vorankommen in Richtung Kanaren. Wir treten quasi auf der Stelle. Der Wind nimmt weiter zu. 35 Knoten (stürmische Winde) sind jetzt die Regel, in der Spitze auch über 40 Knoten. Und von backbord locken bereits die ersten hellerleuchteten Straßen und Gebäude.

Wollen wir uns wirklich weiter vorbei quälen? Wie entwickelt sich das Wetter in den nächsten Tagen? Wann werden wir unsere Sachen und das Schiffsinnere trocknen können? Oder geht das so weiter, mit nassem Wind aus der falschen Richtung? 16 Meilen bis zum nächsten marokkanischen Hafen. Der Weg müsste in 4 bis 5 Stunden zu schaffen sein. Ich entscheide, dass wir anlegen.

Donnerstag, 24. November 2016, 23:30 Uhr
33 11 56.154 N 008 39 02.999 W
Der Wind nimmt immer noch zu. Inzwischen meist um die 40 Knoten, also fast Windstärke neun, das bedeutet Sturm. Eine Regenwand hat uns von vorn nochmal voll erwischt. Der Autopilot schafft es nicht, dieser Böe standzuhalten. Der Wind packt unsere Segel, und presst das Schiff auf die Seite. Wie wild rauscht der Bug durchs dunkle Wasser. Gleichzeitig drischt der Regen in die schräg stehenden Segel.

55 Knoten - schwere Sturmböen peitschen über das Schiff.
55 Knoten – schwere Sturmböen peitschen über das Schiff.

Einige Augenblicke vorher bin ich hinters Steuer gesprungen, und greife in die Speichen. Zu spät: wir drehen uns eine Runde im Kreis. Von vorne regnet es Nägel und Reißzwecken in mein Gesicht.
Aber die Schoten halten, und nach dieser Drehung kommt auch wieder etwas Ruhe ins Schiff.

Mehr als 55 Knoten hat der Windmesser für diese Minuten festgehalten. Bei 56 Knoten beginnt Windstärke 11, das sind dann orkanartige Stürme. Wir sind naß bis auf die Haut, die Kälte zieht durch die Gummisachen hoch. Noch fünf Meilen bis zum Hafen.

Donnerstag, 24. November 2016, 23:45 Uhr
33° 11′ 20.415″ N 008° 38′ 49.343″ W
Es klart etwas auf, sogar einige Sterne sind zu sehen. Das Wasser ist jetzt nur noch 20 bis 30 Meter tief, die Wellen mehr als 2 Meter hoch. Da wir uns dem Land nähern, werden auch die Abstände zwischen den Wellen kürzer. Von Gleitfahrt kann keine Rede mehr sein. Immer wieder klatscht der Bug in die nächste Welle. Mit weniger als 2 Knoten quälen wir uns voran. Statt um eins werden wir frühestens um drei Uhr morgens den Hafen erreichen.

Und was ist mit den Lichtern, die wir so deutlich direkt vor uns sehen? Sind das wirklich schon die ersten Häuser? Und warum schaukeln die Gebäude auch in den Wellen? Verwundert schauen wir uns an: „Das sind gar keine Häuser, das sind Schiffe!“ Hier liegen mindestens zehn Ozeanriesen auf Reede, weit draußen vor der Hafeneinfahrt. Wo ist eigentlich dieser Leuchtturm? Laut Karte müsste der Wegweiser zur Hafeneinfahrt schon seit einer Stunde zu sehen sein.

Das wird noch ein ganz weiter Weg. Noch mindestens 4 Meilen.

Freitag, 25. November 2016, 2 Uhr morgens
33 08 23.372 N 008 38 19.520 W
Mit weniger als 2 Knoten haben wir uns in den vergangenen beiden Stunden vorangekämpft. Die Ozeanriesen haben wir hinter uns gelassen, wir sehen jetzt die Hafenmauer. Bis zur Einfahrt ist es nur noch eine Meile. Der Leuchtturm laut Karte arbeitet offensichtlich nicht, darauf kann man sich nicht verlassen. Die Wellen setzen uns weiter zu.


Freitag, 25. November 2016, 2:30 Uhr morgens

33 07 22.216 N 008 38 55.630 W
Die Hafeneinfahrt. Wir ändern den Kurs Richtung backbord, und gleiten in das ruhigere Hafenwasser. Welche Erleichterung! Jetzt ist es nicht mehr weit. Die spannende Frage: Wo kann man hier anlegen? Gibt es eine Marina, für Segler? In der Luft ein Gestank von Schwefel, Teer und Ammoniak. Aber das ist uns egal, wir wollen nur noch ausruhen.

Also drehen wir in das erste große Hafenbecken, hier liegen drei Ozeandampfer im Flutlicht. Doch ein Angler an der Mole wedelt wie wild mit seinen Armen, und zeigt auf die hinteren Bereiche des Hafens. Sollen wir da hinter fahren? Also wieder raus, und mit langsamer Fahrt weiter hinein in den Hafen.

Im zweiten Hafenbecken das gleiche Bild: Frachtschiffe im Flutlicht. Ein Förderband rattert, das Material wird in dem Frachtraum versenkt. Keine Segler, keine Masten, keine Marina. Wir schleichen weiter in den Bereich ganz hinten, steuerbords. Wenn es hier keine Möglichkeit für Segler gibt, wollen wir uns wenigstens irgendwo am Rande festmachen, und den Tag abwarten. Dann sieht man sicherlich mehr. Zum Glück ist das Wasser mit mehr als 15 Metern ausreichend tief. Das fehlte noch, dass man in einem marokkanischen Industriehafen auf Grund läuft!

Freitag, 25. November 2016, 3 Uhr morgens
33° 07′ 53.287″ N 008° 37′ 10.852″ W
Ganz hinten rechts haben wir einen Ponton gefunden, 50 Meter lang. Wir machen uns fest, bringen alle Fender zwischen das verrostete Eisen und das Schiff. Das Flutlicht reicht nicht ganz bis in unsere Ecke. Auf dem Ponton stehen zwei Bagger im Schlamm.

Heute ist doch Freitag! Wird in Marokko freitags gearbeitet?!