Der Nullmeridian

14. September 2016, 08:13 Uhr
50° 03‘ 45.641“ N 000° 00‘ 17.002“ W

Wir passieren den Nullmeridian. Bis hierher war unsere Position immer ‚östliche Länge‘, ab jetzt also westlich. Und schon in der nächsten Stunde schlägt das Wetter um. Aus einer nervenden Flaute werden zunehmend heftige, von Westen kommende Gegenwinde. Die Wellenhöhe steigt zügig von einem halben auf zwei bis drei Meter. Vorsorglich rollen wir die große Genua (=Vorsegel) ein, und holen die kleinere Fock hoch.

Wir brettern mit fast 9 Knoten im Stundenmittel durch den westlichen Englischen Kanal. Der Windmesser zeigt mehr als 20 und sprunghaft über 30 Knoten, 6 bis 7 Beaufort, später fast 40 Knoten. Am Großsegel ist das 2. Reff eingebunden. Mit der kleineren Segelfläche steht die Catalina zuverlässig im Gegenwind. Richtet sich immer wieder auf, wenn sie von einer Welle auf die Seite gedrückt wird.

Gegen den Wind im westlichen englischen Kanal
Gegen den Wind im westlichen englischen Kanal


Die ganze Nacht geht diese wilde Fahrt, gegen den Wind, und gegen die Wellen. Das Mondlicht beleuchtet die Szene, unser Boot, die Segel. Abwechselnd hocken wir für etwa eine Stunde im Cockpit, in Gummihosen und Gummijacke, und der Autopilot steuert souverän geradeaus. So genau und – vor allem – so ausdauernd könnte niemand steuern.