Die Nebelfahrt vor Douro/ Porto

30. September 2016, 03:30 Uhr
41° 12′ 55″ N 008° 46′ 57″ W

Kaum noch Wind, 140 Grad ist unser Kurs. Keine Wellen, die Sterne funkeln in der mondlosen Nacht. Wir dieseln Richtung Porto, bei diesem Tempo rechnen wir mit anderthalb Stunden.

Kurz vor vier Uhr an diesem Morgen werden wir plötzlich von einem dichtem Nebel eingefangen. Bis zum Land querab sind es nur noch drei Meilen, bis zur Hafeneinfahrt Porto noch über sechs. Also mindestens eine Stunde Fahrt. Die Sichtweite nimmt schlagartig ab, beträgt jetzt kaum noch fünf Schiffslängen. Kein Mond, kaum Sterne, und backbord voraus ist jetzt ein Nebelsignal zu hören: zweimal kurz, einmal lang, nach 30 Sekunden erneut. Sehr gleichmäßig, immer wieder.

Wer macht da auf sich aufmerksam?Und wieso zweimal kurz, dann lang? Das richtige Signal wäre erst lang, dann zweimal kurz, zu wiederholen mindestens alle zwei Minuten. Und wo ist unsere Nebeltröde? In der Backskiste. Man muss schon ziemlich kraftvoll in den Edelstahl-Trichter reinblasen, um einen halbwegs anständigen Ton herauszubekommen. Wir als Segler geben ein einfaches Signal, möglichst laut, auch mindestens alle zwei Minuten.

Von vorn links wieder die Antwort: zweimal kurz, einmal lang. Das Signal scheint sich langsam von vorn nach backbord querab zu bewegen. Und es kommt näher! Wir nehmen Fahrt aus dem Schiff, der Motor läuft im Leerlauf. Da! Wieder! Zweimal kurz, einmal lang. Wir antworten, kurz und halbwegs kräftig. Von Backbord: zweimal kurz, einmal lang. Zehn, zwanzig Minuten geht das schon so.

Keine Ahnung, wer das ist. Es ist kein Licht zu sehen. Plötzlich taucht vorn aus dem Nebel ein Fischkutter auf, aber nicht aus der Richtung des Signals, sondern steuerbords. Mit voller Beleuchtung, fast wie im Fußballstadion. Er fährt zügig hoch nach steuerbord voraus, also fast im rechten Winkel. Und er gibt kein Tonsignal. Von dort kommt das Nebelhorn also nicht. Da wieder von backbord: zweimal kurz, einmal lang, zum Greifen nahe, aber kein Licht. Wir antworten einmal kurz.

Wo genau stehen wir? Wie weit ist es noch bis Porto? Bis zum Strand querab sind es noch zweieinhalb Meilen, man könnte – tagsüber und bei guter Sicht – schon die Leute am Strand sehen. Aber nicht eine einzige Straßenfunzel dringt durch diese miesgraue Wasserwatte. Bis Porto sind es noch knapp vier Meilen. Kann und darf man mit dieser schlechten Sicht überhaupt einen völlig unbekannten Hafen anlaufen?

Zweimal kurz, einmal lang, deutlich querab. Jetzt ist es wirklich zum Greifen nah! Wir antworten so kräftig wie möglich, im Abstand von zehn Sekunden. Da! Jetzt kommt auch ein Licht aus dem Nebel heraus! Gelb, es blinkt. Zweimal kurz, einmal lang. Diesselbe Frequenz wie das Nebelsignal? Wir haben uns die ganze Zeit mit einer Leuchttonne unterhalten! Sie blinkt zweimal kurz, einmal lang. Im Takt tutet auch das Nebelhorn.

Kurz danach zieht der Nebel plötzlich auf. Wir sehen deutlich voraus in drei Meilen die Hafeneinfahrt, dann ein grünes und ein rotes Leuchtfeuer. Noch zwei Fahrwassertonnen den Douro-Fluß aufwärts, und dann die Marina Douro. Am Gäste-Steg anlegen, noch einen doppelten Cuba-libre, und ausschlafen.

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