Der Tag danach

Sonnabend, 13. Mai 2017
Santa Cruz de Tenerifa

Katerstimmung – Muskelkater, Müdigkeit, allgemeines Desinteresse. Selbst der Kaffee schmeckt nicht, wird kalt, und geht den direkten Weg ins Hafenwasser, durch die Spüle. Aber so früh am Morgen wieder in die Koje kriechen? Und da war doch noch was!

Die beiden Häfen von Santa Cruz: Oben für die
Motoreimer, unten der Yachthafen.

Gestank, Dreck und Lärm liegen genau in der vorherrschenden nördlichen Windrichtung.
Quelle: Googlemaps

Der Tag danach fühlt sich so ähnlich an wie nach einem Langstreckenlauf. Der normale Biorythmus kommt erheblich aus dem Takt. Schlafen, wachen, essen, wieder schlafen, wachen – und dabei nicht einschlafen. Jedenfalls nicht zu tief. Und diesmal hatten wir noch gutes Wetter.

Es ist also ganz verständlich, dass man am nächsten Tag nur seine Ruhe haben will. Schließlich sind wir auf der Reise, nicht auf der Flucht. Was zählt da schon so ein Tag, lesend und schlummernd in der Koje verbracht? Nicht in Santa Cruz de Tenerifa.

Knapp einhundert Meter hinter den Segelschiffen liegen die Fähren und die Rußpötte der Kreuzfahrer. Also genau in Windrichtung. Das bedeutet Staub, Dreck, Motorenlärm, und Teergestank …

Was verfeuern diese Blech gewordenen Schraubeneimer eigentlich in ihren Öfen? Den Asphalt, der auf den Neubaustrecken vorher abgehobelt wurde? Und müssen die Brenner eigentlich die ganze Nacht röhren?

Dieser Teil des Insel-Ambientes gleicht also eher einem Autohof an der A1 als der Segleridylle, die manche so vor Augen haben. Wer will da schon schlafen. Keine zehn Minuten länger halte ich das aus. Zumal ab zehn Uhr auch die Sonne ihren unmißverständlichen Beitrag leistet: es wird wieder sehr kanarisch heute – heiß und trocken.

Schiffsputz am Tag danach: Leinen spülen und aufschiessen, Reeling und Deck schrubben
Also raus aus der Koje! Kaffee im 2. Anlauf. Arme, Beine, den Rücken strecken, Wäsche lüften, Hosen und Jacken an die Luft. Und wo sind Schrubber und Wasserschlauch? Es folgt der mittelgroße Schiffs-Putz: Salz abwaschen von der Reeling, Leinen spülen, Deck schrubben.

Und da, heimlich still und leise – ganz wie von selbst – löst sich dann in der Mittagshitze schon nach drei Stunden häuslicher Putzanfall auch die Frage der vergangenen Tage wie das Salz im Putzwasser auf: die 7mm-Mutter …. fehlte am Lukendeckel.

Die insgesamt drei Lukendeckel werden durch diese kleinen M4-Schrauben gehalten. Die Schlüsselweite beträgt nur 7 Millimeter.
Das ist kein großes Ding, solange der Deckel noch dicht schliesst. Wenn sich dann aber nach der Kontermutter auch noch die andere Mutter und die kleine Schraube ins Wasser verabschieden, wird es heikel. Zum Glück – möchte man fast sagen – war die Schraube vom Seewasser noch nicht zerfressen, und der Rost hat die andere Mutter noch festgehalten.

Kann man zumindest so sehen. Also Zettel raus, Stift, und 8mal selbstsichernde Muttern, neue Schrauben (2mal davon als Reserve) auf die Tu-Du-Liste. Jetzt ein Bier!

In Santa Cruz gibt es direkt am Hafen eine ganze Reihe touristisch besonders wertvoller Restaurants, mit entsprechenden „Urlauber-Preisen“. Und zwischendrin nicht zu überhören eine Selbstbedienungs-Kaschemme. Mit einem eher seglertypischen Preis-Leistungs-Verhältnis. Aladin und Hombre sind schonmal vorgelaufen, schneller als das Bier aus dem Zapfhahn.

Es ist kaum zu glauben, wie schnell sich plötzlich so ein Muskelkater in Luft auflösen kann, wenn die Hopfen-Kaltschale mit einem kleinen Zwischenspurt erreichbar wird.

Demnächst: Gibt es eine Maßeinheit für „Glück“? An einem 13.?